Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Ein Konzept für gelingendes Leben

Gelingendes Leben ist die Sehnsucht vieler Menschen und das Ziel der armutsbekämpfenden Entwicklungsprojekte von Chance e.V. Aber was braucht es, damit Leben wirklich gelingen kann, und was ist nötig, damit Entwicklungsprojekte die Lebensqualität der Armen tatsächlich steigern?

Eins steht wohl fest: Genauso wie materieller Besitz nicht unbedingt zum gelingenden Leben des Einzelnen beiträgt, führen auch punktuelle Entwicklungsmaßnahmen wie der Bau einer Straße oder einer Wasserleitung nicht unbedingt zu einer Lebensverbesserung.

Ziel unserer Arbeit in den zentralperuanischen Regenwäldern ist es deshalb, Indianergemeinschaften zu befähigen, sich eine selbstbestimmte, nachhaltige und ganzheitliche Entwicklungsstrategie zu erarbeiten. Diesen Prozess bezeichnen wir als Konzept für gelingendes Leben. Der Weg zu diesem Ziel lässt sich in mehrere Phasen einteilen:

Phase 1
Motivation, Reflexion und Sensibilisierung
Unser Team baut Vertrauensbeziehungen zu den Menschen auf. Eine Vielzahl von Schulungen, Hausbesuchen, Sportveranstaltungen, Filmabenden usw. fördert den sozialen Zusammenhalt und gibt den Dorfbewohnern bewussten Anstoß, sich miteinander über soziale, politische, ökologische, kulturelle und anderen Fragen auszutauschen. Dieser fortwährende Dialog stärkt die (kulturelle) Identität, die Spiritualität und die Werte der Gemeinschaft von innen und geht deshalb über rein materielle Entwicklungsziele weit hinaus.

Phase 2
Selbstdiagnose
In dieser Phase leiten gezielte Fragen unseres Teams die Dorfbewohner an, die gegenwärtige Situation ihrer Gemeinschaft bewusst zu analysieren: Wie sieht unsere Geschichte aus? Was sind unsere Probleme und wie lösen wir unsere Konflikte? Wer sind unsere Verbündeten, wer unsere Gegner? Was sind unsere Stärken und Schwächen? Wovon träumen wir? Wovor haben wir Angst? Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für das weitere Vorgehen.

Phase 3
Regeln für harmonisches Zusammenleben
Die meisten Gemeinschaften leiden als Folge langjähriger Diskriminierung und Fremdbestimmung unter Orientierungslosigkeit, Wertezerfall und innerer Zerrüttung. Die Gemeinschaftsmitglieder machen sich jetzt gemeinsam bewusst, auf welchen Werten ihr Zusammenleben beruht bzw. beruhen soll. Mit Hilfe unseres Teams entwickeln sie schriftliche Regeln für ein harmonisches Zusammenleben, die von allen Bewohnern mitgetragen, dann in den Gemeinschaftssprachen veröffentlicht, von den gewählten Anführern durchgesetzt und von Außenstehenden respektiert werden müssen. Diese Regeln sind ein wirksames Instrument zum Schutz der Gemeinschaft, ihrer kulturellen Werte und ihrer natürlichen Ressourcen vor unerwünschten Eingriffen von außen.    

Phase 4
Plan für gelingendes Leben
Erst jetzt erarbeiten die Mitglieder der Gemeinschaft eine Prioritätenliste für ihre bewusst geplante Entwicklung. Die Gemeinschaft legt fest, durch welche konkreten Maßnahmen in den Bereichen Wirtschaft und Armutsbekämpfung, Bildung, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur usw. sie aktiv werden möchte, um ihre Lebensqualität zu verbessern. Auf diese Art und Weise entsteht der erste selbstbestimmte Entwicklungsplan, den die Gemeinschaft je erstellt hat. Dieser Plan beruht auf der von uns geförderten inneren Stärkung und rechtlichen Konsolidierung der Gemeinschaft sowie der Erstellung eines wissenschaftlich fundierten Raum- und Bodennutzungsplans nach kulturellen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten, um die Verbesserung der Lebensqualität, die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und Belange des intelligenten Umwelt- und Naturschutzes in der Gemeinschaft langfristig umzusetzen.

Phase 5
Umsetzung des Plans für gelingendes Leben
Auf Grundlage des eigenen Entwicklungsplans beginnen nun handfeste Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation in der Gemeinschaft. Vielleicht haben die Gemeinschaftsmitglieder festgelegt, auf einer bestimmten Fläche Kaffee anzubauen oder eine Dorfschule einzurichten. Vielleicht wollen die Frauen sich mit einer Kunsthandwerkskooperative oder einer Fischfarm selbstständig machen. Vielleicht sollen auch entwaldete Flächen wieder aufgeforstet oder die Quellgebiete von Flüssen nachhaltig geschützt werden. Bei all diesen konkreten Aktivitäten unterstützen wir die Gemeinschaft durch finanzielle Förderung, Know-How, Fachpersonal oder andere Hilfestellungen. 

Wirkliche Befähigung von innen nach außen
Diese Art der Entwicklungsarbeit besteht also nicht bloß aus mehr oder minder gut gemeinten Infrastrukturprojekten, die mehr oder weniger sinnvoll sind. Sie beginnt vielmehr im Innern, umfasst die Bereiche Spiritualität, Kultur, Werte, persönliche Beziehungen, Ökologie, Bildung und Wirtschaft gleichermaßen und ist gerade deshalb nachhaltig. Alle Bevölkerungsgruppen – Männer und Frauen, Alte und Junge, Anführer und einfache Dorfbewohner – nehmen an diesem Prozess aktiv teil.

Alle diese Schritte helfen der Gemeinschaft, sich nach innen und außen besser zu behaupten. Der Übergang zu einer bewussten und schriftlich selbst festgelegten Planung stärkt die wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Entwicklung und trägt dazu bei, die Lebensqualität der Menschen spürbar zu verbessern. 

Helfen Sie uns bei der langfristigen Begleitung der Indianergemeinschaften Zentralperus, indem Sie diese wichtige Arbeit jederzeit durch Gebete, Projektbesuche oder Spenden unterstützen.

Spendenkonto:

Chance e.V.
IBAN: DE92 3506 0190 1014 4450 10
BIC: GENO DE D1 DKD
Bank f. Kirche u. Diakonie / KD Bank
Kto-Nr.: 1014445010
BLZ: 35060190

Verwendungszweck: „Peru 8333“

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