Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Wunder in Yunculmas

Oder: Wie sich eine Indianergemeinschaft doch noch verändert

In der Indianergemeinschaft Yunculmas leben ein paar Dutzend Familien vom Volk der Yánesha. Lange waren sie ein Beispiel dafür, wie schwierig die Arbeit mit Gruppen sein kann, die seit Generationen unter Ausbeutung, extremer Armut, dem Verlust ihrer kulturellen Identität, der Zerstörung ihres Lebensraumes und internen Konflikten leiden.

Mehr als ein Jahr lang wurde unser Team von den Indianern versetzt, kritisiert und manchmal beschimpft. Immer wieder warfen einige uns vor: „Ihr kommt nur, um zu reden. Aber wir haben keine Zeit zu reden, denn wir kämpfen jeden Tag ums Überleben.“

Zwar wissen sie, dass die Themen unserer Basisschulungen wie Werte, Spiritualität und sinnvolle Gemeinschaftsstrukturen überlebenswichtig sind. Gleichzeitig müssen sie aber z.B. das Schulgeld für ihre Kinder verdienen und meinen daher, keine Zeit für diese wichtige Grundlagenarbeit zu haben. Einerseits kann das zu Unzufriedenheit und Konflikten führen, andererseits wird ein wirkliches Entkommen aus der Not so unmöglich, weil die meisten konkreten Projekte wie Imkerei oder Kunsthandwerk ohne gemeinschaftliche Grundlagen oft zum Scheitern verurteilt sind.

Um zu zeigen, dass wir eben nicht „nur reden,“ wie die ganz Ungeduldigen meinten, haben wir 12 Kinder aus der Gemeinschaft in unser Patenprogramm aufgenommen. Die Hilfsgelder werden von den Indianern und unserer Partnerorganisation gemeinsam verwaltet, so dass aus Hilfe echte Selbsthilfe wird. Die 12 Patenkinder können jetzt endlich die weiterführende Schule besuchen.

Zwei Monate nach dem Beginn der Patenschaften dann kam es zu einem kleinen Wunder:

Statt von den üblichen drei bis vier schlecht gelaunten Dorfbewohnern wurde unser Team von der ganzen Gemeinschaft erwartet: 60 Erwachsene und Kinder schauten uns erwartungsvoll in die Augen!

Dann ergriff einer der Dorfsprecher, Pancho, das Wort: „Liebe Geschwister von Chance e.V., bitte entschuldigt unser schwieriges Verhalten der letzten Monate. Ihr wisst ja, dass unser Leben schwer ist. Deshalb gab es im Dorf viele Diskussionen und Konflikte und auch mit den Nachbardörfern San Gerónimo und Puellas haben wir gestritten. Wir verstehen aber jetzt, dass ihr tut, was sonst niemand tut: Ihr wollt die wirklich wichtigen Themen zuerst mit uns bearbeiten, damit unsere Gemeinschaft von innen stark wird. Das wollen wir jetzt auch, denn nur so können wir uns auf andere Projekte vorbereiten! Wir laden euch deshalb ein mit uns zu arbeiten, damit unser Dorf die Chance bekommt, in Würde und Selbstbestimmung zu leben!“ Und dann fügte Pancho noch hinzu: „Aber bevor wir heute mit dem Workshop beginnen, haben wir noch eine Bitte: Erzählt uns davon, wie wichtig Einheit, Liebe und Vergebung in der Bibel sind, denn ohne Einheit können unsere Dörfer nicht bestehen. Danach wollen wir mit euch beten und uns dann endlich voll und ganz gemeinsam auf den Weg machen…“

Seither ist das Dorf wie ausgewechselt! Die Menschen zeigen Vertrauen, Offenheit und Engagement. Die beiden ehemaligen Dorfchefs von Yunculmas und Puellas wurden von den Bewohnern wegen Untätigkeit abgesetzt und Pancho selbst ist nun Oberchef über beide Gemeinschaften. In einem vertraulichen Gespräch sagte er uns, dass er die neue Verantwortung als Berufung Gottes sieht, die er zum Wohl der Menschen so gut wie möglich bewältigen will. Regelmäßig macht er sich nun auf den langen Weg zu unserem Büro, um sich Rat zu holen und mit unserem Team zu beten.

Jetzt soll der Dauerkonflikt mit dem Nachbardorf San Gerónimo beigelegt werden und unsere Partnerorganisation wurde von beiden Dörfern zum Mediator bestimmt. Vor ein paar Tagen dann richtete Pancho noch eine Bitte der Bewohner von Puellas an uns, die uns vor 15 Monaten noch die kalte Schulter gezeigt hatten:  „Bitte kommt zurück! Unser alter Chef suchte nur seinen eigenen Vorteil. Aber jetzt haben wir verstanden, worum es geht, und wollen uns mit euch auf den Weg machen, damit auch unsere Gemeinschaft stark werden kann.“

Ermöglicht hat all das die Ausdauer unseres einheimischen Teams vor Ort, so dass wir jetzt mit allen drei Gemeinschaften einen intensiven Prozess beginnen, in dessen Verlauf die Menschen ihre ganzheitliche Lebensqualität und verantwortungsbewusste Selbstbestimmung nachhaltig steigern können. Außerdem werden über 10.000 Hektar Regenwald in den im Herzen des Oxapampa-Biosphärenreservats gelegenen Dorfgemeinschaften so bewahrt und künftige Generationen bekommen endlich die Perspektive, die sie verdienen. All das ist ein großes Geschenk, aber auch eine große Verantwortung!

Jetzt wo wir intensiv mit Yunculmas, San Gerónimo und Puellas arbeiten können, rechnen wir mit monatlichen Mehrkosten für unsere Projekte dort von über 1000 Euro. Möchten Sie mit einer einmaligen Spende helfen, diese Arbeit möglich zu machen? Oder können Sie sich vorstellen, jeden Monat einen kleinen Betrag zu spenden, um diesen Menschen so eine Chance zu geben? Steuerlich absetzbare Spenden sind ab sofort mit dem Verwendungszweck „8333 Amazonien“ möglich.

Sie können diese Arbeit jederzeit im Gebet oder durch Spenden unterstützen.

Unser Spendenkonto lautet wie immer:
Chance e.V.
IBAN: DE92 3506 0190 1014 4450 10
BIC: GENO DE D1 DKD
Bank f. Kirche u. Diakonie / KD Bank* - Verwendungszweck:
8333 Amazonien

Vielen Dank! Muchas Gracias! Parasios!

* Alle Spenden sind steuerlich absetzbar.

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