Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Erfahrungsberichte

Ehemalige Freiwillige und Praktikanten berichten


Chance e.V. - Johanna aus Neckarsulm

Johanna aus Neckarsulm

‘Was willst du denn fünf Monate allein im Regenwald Perus?‘, so oder so ähnlich reagierten viele daheim, als ich ihnen von meinen Plänen erzählte, ein Volontariat in den Projekten zu machen, die Chance e.V. im peruanischen Amazonasgebiet begleitet.

Doch schon bald nach meiner Ankunft in Villa Rica merkte ich, dass ich selbst als einzige deutsche Volontärin gar nicht allein war. Ich war umgeben von einem herzlichen Team, mit dem ich in familiärer, christlicher Gemeinschaft arbeiten, leben, lachen und weinen konnte. Außerdem kam mit all den Kindern des Patenprogramms keine Langeweile auf. Diese Kinder gewannen schnell Vertrauen und je offener ich auf sie zuging, desto mehr wuchs unsere Verbindung. Auch mit den Indianern der Partnerdörfer durfte ich schnell Freundschaft schließen. Sie brachten mir sogar einige Worte ihrer Sprache bei. Die Wanderungen zu den Dörfern durch das lebendige Grün des Regenwaldes und das Fußballspielen mit den Kindern dort, umgeben von baumbedeckten Bergen, zählen zu meinen schönsten Erinnerungen.

In meiner Zeit in Peru hat sich nicht nur mein Spanisch sehr verbessert, sondern ich habe auch eine Menge anderer Dinge gelernt, die mir keine Schule oder Uni hätte beibringen können. Gottes Führung und Bewahrung durfte ich hier außerdem ganz deutlich erleben. In Peru konnte ich endlich Gottes Liebe ganz praktisch weitervermitteln, was schon lange mein großer Wunsch gewesen war.


Judith und Christine

Chance e.V. - Judith und Christine

Christine und Judith beim Fest der Kulturen im Indianerdorf.

Es ist Abend am Busbahnhof in Lima. Judith und ich tragen alle Pullover, die wir dabei haben. Die Luft ist dünn und es riecht nach Abgasen. Wir sind auf der Reise nach Villa Rica, wo wir mehrere Monate lang ein Praktikum bei der lokalen Partnerorganisation von Chance e.V. machen werden. Was wird uns dort wohl erwarten?

Schon sind einige Wochen vorbei und wir sind mittendrin in unserem erlebnisreichen Prakitkantenalltag.

Es ist sieben Uhr morgens. Gemeinsam mit Vicky, einer Mitarbeiterin des peruanischen Teams kaufen wir Obst fürs Frühstück. Es gibt Papaya, Bananen und Ananas. Wie immer hat uns der alte Mann am Marktstand noch ein paar Bananen geschenkt. Im kleinen Büro öffnet uns Martin im Schlafanzug die Tür. Wir sind früh dran.

Am Tisch beten wir gemeinsam für den bevorstehenden Tag. Gemeinsam teilen wir die Aufgaben auf: Den Reflexionsbericht des letzten Treffens mit den Jugendlichen schreibt Judith. Pancho, der Dorfchef einer Indianergemeinschaft wird zu Besuch kommen, Martin wird mit ihm einige Papiere ausfüllen. Vicky und ich gehen zum Bürgermeister, um mit ihm über eine Kooperation zu sprechne. Projektleiterin Elizabeth trifft sich mit dem Architekten für das neu entstehende Chance-Begegnungszentrum.

Zum Mittagessen treffen wir uns alle wieder. Wie ist es gelaufen? Die Stimmung ist vertraut. Wir teilen kreative Ideen, Fragen und Herausforderungen. Den Nachmittag verbringen wir gemeinsam im Büro. Judith und ich planen den nächsten Kindergeburtstag im Patenkinderprogramm. Wie geht es unseren Kindern in der Gruppe? Welche Spiele können wir mit 80 Kindern spielen, um den Teamgeist der Gruppe zu fördern?

Abends laufen wir zur Garküche, die die Mutter eines Patenkindes am Straßenrand betreibt. Dort essen wir frittierte Teigfladen, Yuca und Bananen mit Kaffee. Es läuft traditionelle Folklore im Radio. Die Luft ist lau. Die neunjährige Fiorela unterbricht das Tellerwaschen. Wir haben einen Brief von ihren deutschen Paten dabei und lesen ihn mit ihr gemeinsam. Ihre Augen glänzen. Heute wird sie noch bis ca. elf Uhr abends arbeiten, bis der Teig verbraucht ist und die letzten Tagelöhner nach Hause gehen. Ein typisches Kinderschicksal in Villa Rica, dabei geht es Fiorela noch vergleichsweise gut.

Mehrere Monate später sitze ich wieder im Bus nach Lima. Mein Praktikum ist vorbei und die Lichter Villa Ricas werden hinter mir immer kleiner. „Was für eine tolle Zeit!“ – denke ich bei mir. Ob ich wiederkommen werde, um mein Patenkind und seine Familie wiederzusehen? Um meine liebgewonnen Freunde in den tief im Regenwald gelegenen Indianerdörfern zu besuchen? Um abends gemeinsam am Lagerfeuer zu sitzen, sich Geschichten und Märchen zu erzählen und deutsches Stockbrot zu essen, welches die Indianer kurzerhand „Mamapan“ getauft haben? Um das neugebaute Chance-Projektzentrum zu sehen? Und um mich wieder mit dem Chance-Team auszutauschen, die mir während meines Praktikums vor Ort ans Herz gewachsen sind?

Ich bin mir sicher: Ich komme ganz bestimmt wieder, denn die Zeit als Praktikantin in Peru war so vielseitig und so segensreich, dass ich sie wohl nie vergessen werde.


Was werden wir eigentlich in den nächsten vier Monaten genau tun?

Chance e.V. - Lisa und Felix

Lisa und Felix

Diese Frage stellten sich Felix und ich während der langen Reise nach Peru. Voller Erwartungen, Hoffnungen, Tatendrang und ein wenig Unsicherheit darüber, was uns erwarten würde, kamen wir im lauten Lima an. Doch schon die erste Begegnung mit unserer Teamleiterin Eli nahm uns die anfänglichen Zweifel und vom ersten Moment an fühlten wir uns herzlichst willkommen.

Nach der ersten Eingewöhnungsphase wurden uns dann recht schnell anspruchsvolle Aufgaben übertragen. Da wir Studierende der Psychologie sind, war es unsere Aufgabe, psychologische Gutachten für alle Patenkinder zu schreiben, um deren aktuelle Lebenslage und Bedürfnisse einschätzen zu können. Mithilfe dieser Gutachten sollten die Hilfsmaßnahmen optimal angepasst und möglichst individuell gestaltet werden. Anfängliche Unsicherheiten über die große Verantwortung, die dies mit sich trug, verflogen, als wir merkten, welche Wertschätzung uns das Team entgegenbrachte und wie stark unsere Einschätzung respektiert wurde. Genau diese Wertschätzung bewirkte, dass wir uns auch mehr zutrauten und die Aufgabe gut bewältigen konnten.

Rückblickend umfassten die vier Monate in Peru alles, was man sich für einen gelungenen Auslandsaufenthalt vorstellen kann: pures Abenteuer durch mehrfache Wanderungen mitten durch den Regenwald mit wackeligen Flussüberquerungen, Affengejohle und schmerzenden – aber völlig harmlosen – kleinen Spinnenbissen, das Kennenlernen spannender Kulturen, die Konfrontation mit furchtbaren Schicksalen einiger Patenkinder, die uns sehr ans Herz gewachsen sind.

Und um das Ganze noch abzurunden hatten wir ein Team vor Ort mit dem wir uns super verstanden, tiefe Gespräche führen konnten und das uns bei Problemen jeder Art tatkräftig unterstützte. So kam es, dass uns der Abschied mehr als schwer fiel, wir mit vielen schönen Erinnerungen ins Flugzeug stiegen und zufrieden auf unsere Zeit zurückblicken.


Jamir aus Osnabrück

Chance e.V. -Jamir aus Osnabrück

Jamir mit Indianerkindern in Amazonien.

„Ich hatte die große Ehre, erster Chance-Freiwilliger in Villa Rica, Peru, zu sein. Seit dem ersten Tag meines zweimonatigen Dienstes wurde ich mit überwältigender Freundlichkeit und Fürsorge aufgenommen und durfte als Teil des Teams vielfältige und interessante Aufgaben übernehmen. Es erfüllt mich mit großer Freude, dass ich Zeuge davon werden durfte, wie durch Chance e.V. und seine einheimische Partnerorganisation echte und nachhaltige Hilfe dort geleistet wird, wo sie wirklich benötigt wird - bei den entrechteten Ureinwohnern Amazoniens und Not leidenden Kindern."

Mein Volontariat bei der lokalen Partnerorganisation von Chance e.V. war eine erlebnisreiche und prägende Zeit, die ich nicht vergessen werde. Ich bin sehr froh und dankbar, diese Möglichkeit gehabt zu haben.“

„Ninaitwa Shauna Namunyak!“

Chance e.V. - Erlebnisberichte - Shauna

„Ich heiße Shauna Namunyak!“, stelle ich mich einer älteren Massaifrau vor, die ich auf den Weg ins Dorfzentrum getroffen habe. „Namunyak“, sagt sie lächelnd. „Der Name passt zu dir!“ Tatsächlich ist Namunyak der Massainame, den mir meine kenianischen Eltern Michael und Cicilia gegeben hatten. „Weißt du denn auch was dein Name bedeutet?“, fragt mich die Frau. „Ja“, antworte ich. „Mir wurde gesagt, dass Namunyak die Gesegnete bedeutet.“ Und ich beginne darüber nachzudenken, wie sehr ich wirklich gesegnet bin, hier auf einer Straße zu stehen und mit dieser Frau zu reden. Allgemein kann man sagen, dass die 6 Monate die ich in Olereko war, ein Segen für mich waren: noch nie war ich so glücklich gewesen, wie in dieser Zeit. Die Herzlichkeit der Menschen, das Miteinander mit meinen wunderbaren Freiwilligen oder meiner liebenswerten Familie, die Chai-Pausen mit den Schulkindern oder einfach nur die Arbeit, in der ich voll aufgehen konnte, haben mich mit einer solchen Zufriedenheit erfüllt, dass ich oft einfach nicht mein Glück fassen konnte. Ein zusätzlicher Segen waren natürlich auch die Freundschaften, die in dieser Zeit gebildet werden konnten und hoffentlich ein Leben lang halten können. Wie zum Beispiel die innige Freundschaft zu der Familie von meinem Patenkind Sanaipei. Ich bin dankbar für jede Erfahrung, für jeden Moment, die immer in meinem Herzen ruhen werden: wie jeder Familienbesuch, jede Schulstunde (die ich unterrichten durfte), für jedes berührende Gespräch, für Kristinas Saft-Verteil-Aktion in Kisumu, und, und, und ….

Die Frau lacht und tätschelt meinen Arm: „Namunyak heißt aber auch einfach nur Segen. Du bist nicht nur gesegnet, du bist auch selber ein Segen.“ Und damit verabschiedet sie sich und geht ihres Weges.

Und ich hoffe nun, dass ich nicht nur selber gesegnet war sondern auch ein Segen für Olereko und seine Menschen sein konnte.

Ich bin mir sicher: Ich komme ganz bestimmt wieder, denn die Zeit als Praktikantin in Peru war so vielseitig und so segensreich, dass ich sie wohl nie vergessen werde.

Enta supa, Enta kwenya oleng!
(Freundlicher Gruß in Maa für mehrere Männer und mehrere Frauen)

Was machst Du eigentlich nach dem Abi? Was machst Du eigentlich aus deinem Leben? Was machst Du eigentlich in Afrika? Was kann ich schon verändern? Was bringt's? Solche Fragen stellte ich mir, als ich im September 2013 nach dem Abitur nach Kenia aufbrach. Sieben Monate in Kenia, im kleinen Dorf Olereko, auch liebevoll „the capital city of nowhere“ genannt. Mitten unter Kühen, Ziegen und Maasais, ohne Dusche und Warmwasser.

Chance e.V. - Erlebnisberichte - Maik

Wie mein Alltag so in etwa aussah möchte ich an diesem exemplarischen Tagesablauf eines ganz normalen Arbeitstages zeigen:

06:30

Aufstehen und Frischmachen – beim Wasserholen außerhalb des Hauses für meine Dusche bzw. das „Übergießen“ werde ich von den so langsam eintrudelnden Schulkindern genau beobachtet. Eine der anderen Freiwilligen, die schon seit 5 Uhr wach ist, wünscht mir einen guten Morgen.

07:00

Füttern der Kühe: das Futter, scharfkantiges Elefantengras, muss meistens frisch geschnitten werden. Parallel dazu oder danach:  Bewässern in der Baumschule

08:00

Afrikanisches Frühstück bestehend aus einem Milch-Tee (Chai)

08:20

Unkrautjäten an den Gemüsebeeten und dabei mit und von den Kenianern Lieder lernen und singen

09:30

Büroarbeit, z.B. auch Lebensgeschichten von Patenkindern für die Paten zu übersetzen: Der Vater polygamer Alkoholiker, das kluge Kind bei der Oma, die mittellos – Elend und Hoffnungslosigkeit.

11:00

Teepause

12:00

Ich versuche die Schafe auf die Weide zu bringen, die dort eigentlich schon seit 9 sein sollten. Wer war diese Woche nochmal dafür verantwortlich?

12:30

Umziehen und noch schnell den Unterricht für nach dem Mittagessen vorbereiten

13:00

Mittagessen.  Jeden Tag Mais-Bohnen-Eintopf, Githeri genannt. Im Frühjahr zur Erntezeit ganz lecker, trotz der paar Fliegen in der Suppe. Die meisten Kinder aus der Projektschule stürzen sich dennoch drauf – für einige ist das die einzige Mahlzeit am Tag!

13:55

Meine Kunst-Stunde in der fünften Klasse sollte beginnen. Die sind aber noch beschäftigt damit, das abzuschreiben, was der Klassenlehrer während der Mittagspause angeschrieben hat.

14:05

Die Stunde beginnt mit einem Lied

14:10

Es soll gemalt werden: der Streit um die Buntstifte, die ich mitgebracht habe, beginnt. Die Mädels verstecken ihre Stifte im Rock und ich versuche möglichst allen beizubringen, dass sie ruhig größer malen sollen.

14:45

Die Stunde wird beendet und mein afrikanischer Kollege geht vom Malen zur Geographie über, die Kinder sollen lernen, wie Kenia administrativ gegliedert ist.

15:20

Während die Schüler die Schule sauber machen, helfe ich noch mit beim Bäumeeinpflanzen und schaue nach den Bienen.

17:00

Zum Gemüseeinkauf müssen wir ins nächste Dorf 20-30 min entfernt. Auf dem Rückweg mit unserem Fundi (Handwerker) schaue ich mir noch eine Quelle an, die gerade renaturiert wird und wo ich morgen mitarbeiten darf.

18:30

 Da ich schon so früh zurück bin, darf ich noch beim Melken helfen, während es schon dunkel wird

18:45

Nach dem Feuermachen kochen wir - wie jeden Abend -  in Cicilias Küche gemeinsam Ugali (Maisbrei) und Blattgemüse. Das ist nicht nur lecker, sondern auch eine tolle Zeit für Gemeinschaft und Austausch!

20:00

Es wird gegessen

21:00

Wir trinken je eine halbe Tasse heißer Milch bei ehrlichen Gesprächen mit den anderen Freiwilligen und einigen kenianischen Team- und Familienmitgliedern zu Hause bei den Projektleitern Cicilia und Michael. Danach gehen wir dann irgendwann ins Bett.

Das Besondere an meiner Zeit in Olereko war dabei für mich, dass wir mit den Kenianern auf einer Ebene lebten und genau dieselben Arbeiten verrichteten wie die Einheimischen auch. Dieses Glück, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Kontinente, Sprachen, Kulturen und Lebensformen gemeinsam arbeiten und das Leben teilen, war und bleibt für mich ein großes Geschenk. Während meiner ganzen Zeit in den von Chance e.V. geförderten Projekten in Kenia hat mich begeistert, wie aus ausweglosen Situationen Hoffnung und auch nachhaltige Zukunftsperspektiven entstehen.

Chance e.V. - Erlebnisberichte - Maik

Im Kleinen geschieht in Olereko Veränderung, das habe ich miterlebt – mit großen Auswirkungen! Gemeinsam können wir etwas Kleines tun, was später große Veränderungen bewirkt.

Daran in Kenia teilhaben zu dürfen, und auch jetzt noch Teil davon zu sein, dafür bin ich dankbar!


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