Chance e.V. - Zukunft für Menschen
Zahlen und Fakten, die nachdenklich machen

Bis 2015 sollte die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, weltweit halbiert werden. Dies hatten sich die Vereinten Nationen in den so genannten Millenniumszielen vorgenommen. Doch obwohl es in einigen Punkten durchaus Verbesserungen gibt, wurde das Ziel insgesamt verfehlt. Denn an anderen Stellen hat sich die Situation seit 1990 dramatisch verschlechtert1.

Ungerechtigkeit und die weltweite ökologische Krise, welche das Leben auf unserem Planeten an sich bedroht, werden immer stärker zu Faktoren, die erreichte Fortschritte zu zerstören und die Situation der Armen weltweit noch weiter zu verschlechtern drohen. Vor allem im Detail zeigt sich, dass die Lage immer noch genau so prekär ist wie vor 25 Jahren oder sich sogar verschlechtert. Doch obwohl die Statistiken, die wir hier zusammengetragen haben, entmutigen können, sind wir doch zur Hoffnung berufen! Denn überall auf der Welt gibt es lokale Initiativen, die sich für Gerechtigkeit, die Ärmsten der Armen und den Erhalt der Schöpfung einsetzen. Zu ihnen gehören auch die Partner von Chance e.V. in Südamerika und Afrika.

Hier einige Zahlen über die weltweite Armutskrise:

17.000 Kinder unter fünf Jahren sterben an den Folgen extremer Armut – jeden Tag! Sie sterben leise in den ärmsten Dörfern der Erde, weit weg vom Bewusstsein der Welt.2

Mindestens 80% der Weltbevölkerung muss mit einem Einkommen von weniger als 10 $ pro Tag leben. In Entwicklungsländern beträgt diese Zahl 95%. 1,02 Milliarden Menschen leben immer noch in extremer Armut bei weniger als 1,25$ pro Tag. Dies entspricht jedem fünften Menschen.3/4

Über eine Milliarde Kinder müssen in Armut leben (statistisch jedes zweite).5

Hunger ist weltweit die Haupttodesursache. An Hunger sterben mehr Menschen als an Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen.6

795 Millionen Menschen leiden weltweit an Hunger. Das bedeutet, dass weltweit einer von neun Menschen täglich hungrig ins Bett geht.7

780 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.8 Fünf Milliarden Arbeitstage und mehr als 440 Millionen Schultage gehen aufgrund von Krankheiten verloren, die mit mangelhafter Wasserversorgung in Zusammenhang stehen.9

162 Millionen Kindern wird auch heute noch das Recht auf schulische Ausbildung verwehrt.10

Weniger als 1% des Geldes, das die Welt jährlich für Waffen ausgibt (ca. 1,74 Billionen US-Dollar), würde ausreichen, um jedem Kind in der Welt eine Schulbildung zu gewähren.11

2013 lag die Kindersterblichkeit durch Armut in Afrika bei 17,6% und in Südostasien bei 11,8% und hat sich somit seit 1990 mehr als verdoppelt!12

Jedes Jahr sterben über 500.000 Mädchen und Frauen an vermeidbaren Komplikationen während der Schwangerschaft und bei der Geburt ihrer Kinder. Das ist eine Mutter pro Minute! In Niger ist das Risiko z.B. 2.743 mal so hoch wie in Deutschland.13

Laut Schätzungen würden jährlich ungefähr 60 Milliarden US-Dollar benötigt, um die extreme globale Armut zu beenden. Das ist weniger als ein Viertel dessen, was die 100 reichsten Millardäre verdienen.14

15,3% der Menschen weltweit lebten 2012 ohne Elektrizität, in Sub-Sahara Afrika jedoch ungefähr zwei Drittel.15

Infektiöse Krankheiten erschweren noch heute das Leben von vielen Armen weltweit. Ca. 34 Millionen Menschen leiden an AIDS, mit 1,8 Millionen Toten in 2010. Jeden Tag werden weitere 8.200 mit diesem tödlichen Virus infiziert. Alle 30 Sekunden stirbt ein afrikanisches Kind an Malaria – das sind mehr als eine Million Kinder pro Jahr. Weltweit sind 15 Millionen Kinder durch AIDS Waisen geworden. Dies entspricht der Gesamtkinderzahl von Deutschland und Großbritannien zusammen.16

Mehr als 80% der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen sich die Einkommensunterschiede drastisch verstärken.17

Die ärmsten 40 % der Weltbevölkerung beziehen nur 5 %, die reichsten 20%  dreiviertel des globalen Einkommens.18

Die reichsten 1 Prozent der Weltbevölkerung besitzen 2016 mehr als die restlichen 99 Prozent, den 85 Reichsten gehört 50 Prozent des Weltvermögens.19 In Peru besitzen die reichsten 10% etwa 50 Mal so viel wie die ärmsten 10%.20

In Industriestaaten sind 2,5 Milliarden Menschen abhängig von fossilen Brennstoffen, um ihren Energiebedarf für das Kochen zu decken. In der Sub-Sahara Region kochen 80% der Bevölkerung mit herkömmlichen Mitteln (häufig Feuerholz), außerdem die Hälfte der Einwohner Chinas und Indiens.21

Luftverschmutzung als Konsequenz aus dem Verbrauch von Brennstoffen ist verantwortlich für den Tod von sieben Millionen Menschen pro Jahr. Arme Frauen und Kinder sind durch Innenluftverschmutzung besonders davon betroffen. Das ist weit mehr als Menschen an Malaria und Tuberkulose zusammen sterben, nämlich jeder achte Todesfall weltweit.22

Die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. In Entwicklungsländern leben davon 42% in Slums.23

2011 galt ein Drittel aller Tierarten als gefährdet, das sind 10% mehr als in 2009.24

Zwischen 1970 und 2015 hat die Menschheit den Gesamtbestand aller Tierarten um durchschnittlich 52 Prozent reduziert, d.h. heute leben auf unserem Planeten halb so viele Tiere wie 1970. Bei Reptilien und Amphibien liegt der Rückgang weltweit sogar bei über 70 Prozent! Setzt sich dieses Tempo der Zerstörung der Schöpfung fort, kommt es in ca. 40 Jahren zum ökologischen Kollaps. 24

Der weltweite Waldverlust von 13 Millionen Hektar pro Jahr ist größer als die Waldfläche Deutschlands (elf Millionen Hektar) und entspricht der Fläche Griechenlands. Pro Minute verschwindet damit rund um die Welt die Fläche von 35 Fußballfeldern wertvoller Wälder.25

36 Millionen km² sind weltweit von Desertifikation (Wüstenbildung) bedroht, eine Fläche dreieinhalb Mal so groß wie Europa. In Afrika leben 40 Prozent der Gesamtbevölkerung in solchen Gebieten, in Asien 39 Prozent, in Südamerika 30 Prozent. Es sind gerade die Entwicklungsländer, die besonders unter der Zerstörung von Land und Ressourcen leiden: Die 50 am wenigsten entwickelten Länder sind besonders stark von Desertifikation betroffen. In diesen Ländern nehmen Trockengebiete rund zwei Drittel der Landesfläche ein.26

Täglich gehen rund 900.000 Quadratmeter (90 Hektar) Äcker und Grünland durch Überbauung verloren, was der Größe von 120 Fußballfeldern entspricht.27

Jedes Jahr gehen 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel in den Abfall. Das heißt, dass ein Drittel der hergestellten Nahrung verloren geht, auch wenn gleichzeitig 795 Millionen Menschen weltweit an Hunger leiden. Das heißt auch, dass viele Flächen nur dafür in landwirtschaftliche Anbaufläche verwandelt werden, um Lebensmittel für den Müll anzubauen. Wälder werden zerstört nicht um Menschen zu ernähren, sondern um Lebensmittel wegzuwerfen.28

Pro Person wird in Deutschland jedes Jahr Essen im Wert von 235€ weggeworfen, gemessen an der deutschen Bevölkerung beläuft sich das auf einen Wert von etwa 20 Milliarden €.29

Dieselbe Landfläche, welche genug Viehfutter produziert, um 10 Menschen mit Fleisch zu versorgen, würde als Ackerland bis zu 100 Menschen ernähren können, wenn dort z.B. Hirse, Erbsen, Linsen oder Gerste angebaut würden. Fleischesser verbrauchen bis 10mal so viel Land und Ressourcen, um satt zu werden, wie Vegetarier.30

http://www.unric.org/html/german/mdg/MP_PovertyFacts.pdf

1 Deutschlandfunk: „Durchwachsene Bilanz im Kampf gegen die Armut“ 23.03.15,
http://www.deutschlandfunk.de/entwicklungslaender-durchwachsene-bilanz-im-kampf-gegen-die.724.de.html
?dram:article_id=314962
2 UNICEF, „The State of the World’s Children 2015: Reimagine the Future“,
http://sowc2015.unicef.org, Under-5 mortality rate (2013) S. 31, New York 2015.
3 Ravallion, M; Chen, S; Sangraula, P. Dollar a Day Revisited. World Bank Economic Review. 23, 2, 163-184, 2009.
4

Worldbank: http://data.worldbank.org/indicator/SI.POV.DDAY/countries?display=graph

5 UNICEF, „The State of the World’s Children 2010“, http://www.unicef.org/rightsite/sowc/
6 WHO, World Hunger and Poverty Statistics, 2013, http://www.worldhunger.org/articles/Learn/world%20hunger
%20facts%202002.htm
7 FAO, State of Food Insecurity in the World, 2015. http://www.fao.org/3/a-i4646e.pdf
8 Welthungerhilfe: „FACT-Sheet. Fakten und Zahlen zu Wasser“, 2013, http://www.welthungerhilfe.de/fileadmin/user_upload/Themen/Wasser/Fact_Sheet_Wasser_2013.pdf
9 BMZ: „Trinkwasser und Sanitätsversorgung“, 2015, http://www.bmz.de/de/was_wir_machen/themen/umwelt/wasser/deutscher_beitrag/wasser_fuer_menschen/
sanitaerversorgung/index.html
10 UNICEF, State of the World‘s Children 2015, S. 41.
11 New Internationalists, State of the World, Issue 287, http://newint.org/features/1997/01/05/keynote/
12 WHO nach: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/226881/umfrage/kindersterblichkeit-nach-weltregion/Worldbank: http://data.worldbank.org/indicator/SI.POV.DDAY/countries?display=graph
13 UNICEF: https://www.unicef.de/informieren/infothek/-/jede-minute-stirbt-eine-mutter/8886, 05/2009.
14 https://www.dosomething.org/facts/11-facts-about-global-poverty
15 Worldbank 2012, http://data.worldbank.org/indicator/EG.ELC.ACCS.ZS/countries/1W-ZG?display=graph
16 http://www.aidshilfe.de/de/infothek/hiv-zahlen/weltweit und UNRIC http://www.unric.org/html/german/mdg/MP_PovertyFacts.pdf
17 UNDP, United Nations Development Program, November 27, 2007, S.25
18 UNDP, United Nations Development Program, November 27, 2007, S.25
19 Oxfam: http://www.oxfam.de/informieren/soziale-ungleichheit
20 UNDP, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Einkommensverteilung
21 UNDP, United Nations Development Program, November 27, 2007, S.45.
22 WHO 2014 nach: http://www.welt.de/gesundheit/article126163590/Jeder-achte-Todesfall-durch-verschmutzte-Luft.html'
23 BpB, 2015: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/megastaedte/64768/slums
24 WWF: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Waldzustandsbericht.pdf
25 WWF: http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Waldzustandsbericht.pdf
26 http://www.desertifikation.de/
27 https://www.openpetition.de/petition/online/landwirtschaftliche-bodennutzung-flaechenverbrauch-senken-und-landwirtschaftliche-nutzflaechen-schue
28 FAO, 2011: http://www.fao.org/food-loss-and-food-waste/en/
29 NDR, 2015: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/muell-wert-geld,muellvermeidung104.html
30 Alexander von Humboldt, 1769

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