Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Die Kunsthandwerkerin Médalid

Médalid ist 30 Jahre alt, Yánesha Indianerin aus dem abgelegenen Dschungeldorf „Dreiwasser“ und allein erziehende Mutter von vier Kindern. Vom Vater der Kinder konnte sie sich während der letzten Schwangerschaft endlich trennen, weil dieser mit Drogenbanden zu tun hat.

 Die Kunsthandwerkerin Médalid

Médalid lacht viel und wirkt eigentlich fröhlich. Und das obwohl ihre Armut selbst für ihr Heimatdorf extrem ist. Deshalb war sie dazu gezwungen, mit ihren Kindern in einem verlassenen Stall zu wohnen, der nur ein Dach und zwei Wände hatte. Oft wusste sie kaum, wie sie ihre Kinder durchbringen sollte und war auf Almosen angewiesen.  

Seit einiger Zeit jedoch verändert sich ihr Leben immer mehr.

Wie einige andere Dorfbewohner auch, versuchte Médalid schon immer, sich und die Kinder durch das Herstellen und den Verkauf von Kunsthandwerk über Wasser zu halten. Doch fehlte es ihr an technischen Fertigkeiten, Werkzeugen und Ausbildung.

Wir ermutigten Médalid und die anderen Kunsthandwerkerinnen aus „Dreiwasser“ dazu, sich als Kundhandwerkervereinigung bei den Behörden anzumelden. Denn oft fehlt es den Menschen in den abgelegenen Dörfern gerade an formeller Anerkennung und Organisation, um ihre Lebensumstände eigenständig verbessern zu können. Obwohl viele Indianer auf Grund der Diskriminierung und mangelnder Spanischkenntnisse Angst vor Behördengängen haben, ließen Médalid und die anderen sich auf unseren Vorschlag ein. Wir erklärten ihnen ganz genau, wie sie vorgehen sollten, um die Eintragung zu erreichen. Nach ein paar Tagen stand Médalid dann strahlend in unserem kleinen Büro in Villa Rica: „Wir haben es geschafft! Unsere Kunsthandwerkervereinigung wurde anerkannt und eingetragen!“ Dieser erste Erfolg machte Médalid und den anderen großen Mut.

In den folgenden Monaten finanzierten wir fünf Fortbildungen für die Mitglieder der Vereinigung. Da ging es um handwerkliche Techniken, Materialien, Designs und Vermarktung. Innerhalb weniger Monate verbesserten sich Médalids Produkte derart, dass sie immer mehr Selbstvertrauen und Engagement entwickelte.

Kurz nach erfolgreicher Anerkennung der Vereinigung durch die Behörden vermittelten wir Médalids Gruppe einen Stand auf der nationalen Kunsthandwerksmesse im Bankenviertel der Hauptstadt. Médalid und die anderen staunten nicht schlecht, als sie ihre Produkte plötzlich den Geschäftsleuten in Lima anbieten konnten.

Schnell sammelten sie immer mehr Erfahrungen und Médalid begann sich zu vernetzen. Schon bald erhielt sie alle paar Wochen Einladungen, ihre Produkte auf lokalen Messen zu verkaufen. In nur wenigen Monaten verbesserte sich ihre Lebenssituation spürbar. Heute kann sie sich und ihre Kinder mit ihrer Arbeit ernähren. Jetzt gibt sie sogar zwei Männern aus ihrem Dorf Arbeit, denn sie bauen ein kleines Holzhäuschen für Médalid und ihre Kinder. Die Männer staunen nicht schlecht, dass man mit Kunsthandwerk Geld verdienen kann und vertrauen nun auch selbst unserer Partnerorganisation viel mehr als vorher.

Médalid liegt viel daran, den anderen Dorfbewohnern Mut zu machen. Sie sollen ihrem Vorbild folgen und eine Imkereivereinigung ins Leben rufen, denn „nur wenn wir den Weg in die Formalität finden, können wir der Armut entkommen,“ so sagt Médalid heute voller Überzeugung.

Mittlerweile hat Médalid ihren Schmuck sogar schon bis nach Deutschland verkauft. Voller Begeisterung überlegt sie sich immer wieder neue Designs und ist stolz darauf, dass alle ihre Produkte indianisch und ökologisch sind: „90 Prozent der von mir verwendeten Materialien finde ich in unseren Regenwäldern: Baumsamen, Pflanzenfasern, natürliche Farbstoffe und Bienenwachs. Meine Arbeit stärkt unsere kulturelle Identität als Yánesha-Indianer und hilft, unsere Wälder und unser Erbe zu bewahren… auch für meine Kinder.“

 Die Kunsthandwerkerin Médalid

Immer wieder besucht Médalid unser Team im Büro. Dann erzählt sie von ihren Erfolgen und Herausforderungen. Jedes Mal will sie dann mit unserem Team beten, dies tut sie mit den Worten: „Ich bete für Silvia und all die anderen, die uns geholfen haben aufzuwachen und unsere Fertigkeiten zu stärken. Ich segne das Chance-Team und ihren Einsatz und bitte für sie um Schutz.“ Mehrere Male drückte sie unserem Team sogar vollkommen unaufgefordert ein paar Euro in die Hand, mit den Worten: „Gott hat mir aufs Herz gelegt, immer großzügig zu sein. Ich bin so dankbar für all die Veränderung in meinem Leben. Jetzt ist es meine Verantwortung anderen zu helfen. Deshalb vertraue ich euch meine kleinen Spenden an. Denn ich weiß, wie sehr ihr mir geholfen habt, das sollt ihr auch mit anderen machen können, deshalb spende ich einen Teil meines Gewinns für eure Projekte.“

Natürlich haben Médalid und die anderen noch einen weiten Weg vor sich, aber es macht großen Mut zu sehen, wie nachhaltig sich Menschen verändern können – und das ganz ohne Megaprojekte. Dafür sind wir sehr dankbar.

Wenn Sie Médalid und all den anderen Kunsthandwerkern und Dorfbewohnern die Chance geben möchten, in Würde und Selbstbestimmung zu leben, dann können Sie:

  • für diese Menschen und unsere Projekte beten
  • uns zu einem Infobesuch in Ihre Gemeinde, Schule o.ä. einladen
  • unsere Projekte vor Ort besuchen
  • unsere wertvolle Arbeit in den Indianerdörfern einmalig oder regelmäßig monatlich mit einer kleinen Spende unterstützen.

Unser Spendenkonto lautet:
Chance e.V.
IBAN: DE92 3506 0190 1014 4450 10
BIC: GENO DE D1 DKD - Bank f. Kirche u. Diakonie / KD Bank     

Verwendungszweck ist: „8333 Peru“

weiter zuMenschen - Pancho der Dorfchef

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