Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Kenia
Gladys

Chance e.V.- Erfolgsgeschichten - Gladys

Dies ist die Geschichte von Gladys, einer jungen, allein erziehenden, landlosen Mutter von zwei Kindern aus dem Maasai-Dorf Olereko.

„Mein Name ist Gladys Nangini und ich bin 23 Jahre alt. Mit 15 bekam ich mein erstes Kind, Lemaiyian, der heute 8 Jahre alt ist und in die zweite Klasse der Chance-Schule geht. Als allein erziehende Mutter bin ich nicht verheiratet und lebe mit meiner Mutter Chemutai (55), einigen meiner Geschwister sowie meinen eigenen Kindern zusammen in unserer kleinen Hütte. Arbeit haben wir nicht und eigenes Land auch nicht. Deshalb pachten wir für 27.000 Kenya Shillings im Jahr ein kleines Stück Land von ungefähr 10.000 m², von dem ich die ganze Familie ernähren muss. Als Familienoberhaupt bin ich dafür zuständig, alle 10 Personen in unserem Haushalt zu ernähren und die Schulgebühren für insgesamt 4 Kinder zu zahlen. Dabei konnte ich selbst nur die Grundschule besuchen, denn auch meine Mutter ist unverheiratet, so dass es kaum genug Geld gab für die Schulgebühren, die Uniform und die Stifte.

Jeden Tag stehe ich um 5 Uhr auf, mache Feuer, koche Tee und ziehe die Kinder für die Schule an. Nachdem wir jeder eine Tasse Tee getrunken haben, gehe ich spätestens um 6 Uhr aufs Feld. Meine tägliche Feldarbeit besteht aus jäten, säen, ernten, pflügen usw. Gegen 10 Uhr dann laufe ich je nach Jahreszeit ca. 2 km zur nächstgelegenen Wasserstelle, um für die ganze Familie Wasser zu holen. Danach laufe ich bis zu 6 km, um irgendwo in unserem Dorf, wo ja so gut wie alle natürlichen Wälder bereits zerstört wurden, etwas Feuerholz zu finden. Manchmal trage ich Feuerholz und Wasser auf dem Kopf nach Hause, manchmal nehme ich einen Esel mit. Jeden Tag trage ich so ca. 20 Liter Wasser und bis zu 15 Kilo Feuerholz. Zu Hause angekommen, muss ich mich um unsere Kühe kümmern. Wir haben 5 Kühe mit derzeit 5 Kälbern. Dabei gibt eine Kuh allerdings höchstens 1 Liter Milch pro Tag, so dass ich auch mit der Milch nicht wirklich viel verdiene.

Wenn ich dann wieder zu Hause bin, mache ich das Essen – entweder Ugali (Maisbrei) oder Gidheri (Mais mit Bohnen).  Am liebsten esse ich aber Ugali. Nach dem Kochen wasche ich noch etwas Wäsche, entweder zu Hause in einer Schüssel oder ich laufe noch einmal zur Wasserstelle, um dort zu waschen. Zum Kochen brauche ich insgesamt 2 Stunden.

Wenn es schon lange dunkel ist, so gegen 20 Uhr essen wir– abgesehen vom Tee am Morgen ist das unsere einzige Mahlzeit am Tag.

Abends nach dem Essen unterhalte ich mich noch mit den Kindern und meiner Mutter. Manchmal erzählen wir den Kindern auch eine Geschichte.

Am meisten gefällt mir das Kühehüten und die Feldarbeit macht mir weniger Spaß. Mein wertvollster Besitz ist meine Lieblingskuh, die ich Sengera nenne, weil ich sie auf dem Markt in Sengera gekauft habe.

Sonntags ist mein Ruhetag, so wie das in der Bibel steht. Da bin ich meist zu Hause, spiele mit den Kindern und singe mit den Nachbarinnen.

Als ich mit 15 Jahren mit der Grundschule fertig war, hatte meine Mutter kein Geld mehr, mich zur weiterführenden Schule zu schicken. Dann wurde ich schwanger und bekam Lemaiyian. Ich liebe meine Kinder sehr, aber schwanger zu werden und allein erziehende Mutter zu sein, war und ist eine riesige Belastung, denn manchmal weiß ich einfach nicht, woher das Geld für Essen, Arzt, Schule und Kleidung kommen soll. Alle drei Monate muss ich allein 8.000 Kenya Shillings für die Schulgebühren aufbringen. Das ist wirklich sehr schwierig, denn an ein paar Tagen im Jahr haben wir noch nicht einmal genug zu essen. Dann esse ich selber halt nichts, um die Kinder nicht hungern zu lassen.

Manchmal kann ich kaum schlafen, weil ich mir Sorgen mache, aber dann sage ich mir selbst: „Gladys, gib nicht auf. Vertraue auf Gott.“ Dann schlafe ich wieder ein und am nächsten Morgen bin ich wieder stark genug, um weiter zu kämpfen.

Deshalb bin ich Gott so dankbar für Lemaiyians Paten in Deutschland! Was würde ich nur ohne diese Hilfe tun? So muss ich mir jedenfalls keine Sorgen mehr um meinen Erstgeborenen machen – mithilfe seiner Paten kann er in Ruhe die Schule besuchen, bekommt jeden Tag genug zu essen, eine Schuluniform, Stifte und Schreibhefte. Durch die Patenschaft Lemaiyians bekommen meine beiden Kinder und ich selbst außerdem ärztliche Versorgung, die uns nichts kostet. Das ist eine enorme Entlastung, weil ich mir jetzt keine finanziellen Sorgen mehr zu machen brauche, wenn eines meiner Kinder krank wird.  

Durch die Hilfe des Patenprogramms war es mir sogar möglich, das illegale Bierbrauen aufzugeben. Aus Not hatte ich kurz nach Lemaiyians Geburt damit begonnen, weil ich keine andere Möglichkeit mehr sah, wenigstens ein wenig Geld zu verdienen. Jetzt bin ich dank der Patenschaft hierauf nicht mehr angewiesen und meine Kinder können ohne das Geschrei und die ewigen Streitereien meiner ehemaligen Kundschaft aufwachsen. Ich konnte in letzter Zeit sogar ein wenig sparen und mit dem Geld haben meine Mutter und ich uns endlich eine neue Lehmhütte bauen können, die etwas größer ist und in die es nicht mehr hineinregnet.

Mein großer Traum ist es, dass meine beiden Kinder – anders als ihre Mutter – die Schule beenden und dann eine Arbeit finden können. Für mich selbst hoffe ich, einmal eine erfolgreiche Bäuerin zu werden, vielleicht sogar mit einem kleinen Stück eigenen Landes, damit sich unsere Familie noch weiter stabilisieren und ich mich in Ruhe um die Kinder und meine Mutter kümmern kann. Dabei hilft mir Chance e.V.

weiter zuFür Sie - Was Sie tun können

nach oben