Chance e.V. - Zukunft für Menschen

Villa Rica

Der Landkreis Villa Rica ist fast 900 km² groß und liegt in den Regenwäldern der Andenvorgebirge Zentralperus, wo die Berge immer niedriger werden, um schließlich jenseits des San Matías San Carlos Naturschutzgebiets in die weiten Ebenen des Amazonstieflands überzugehen. Zentrum des Landkreises mit seinen insgesamt ungefähr 20.000 Einwohnern ist das gleichnamige Städtchen. Dieses liegt auf 1470 Metern Höhe. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ca. 20 Grad.

Chance e.V.- Villa Rica

Villa Rica

Die Besiedlung der Zone geht mehrere tausend Jahre zurück. Seitdem leben die Völker der Yanesha- und Ashaninka-Indianer in den Flusstälern der Region. Seit 1635 gab es immer wieder katholische Missionen in der Gegend. 1925 dann übertrug die peruanische Regierung dem deutschen Siedler Leopoldo Krause einen großen Teil des Siedlungsgebiets der Yanesha als Konzession, um „die Entwicklung“ und „den Fortschriftt“ in diesem Teil Zentralperus voranzutreiben. Gemeinsam mit den Städten Oxapampa und Pozuzo bildet Villa Rica daher die einzige deutsche Kolonie Perus, wobei die Mehrheit der Einwohner heute jedoch aus Siedlern besteht, die in den vergangenen Jahrzehnten aus den Hochanden zugewandert sind.

Villa Rica gilt als Kaffeehauptstadt Perus und produziert einen der besten Kaffees der Welt. Doch die Situation der meisten Einwohner ist schwierig. Sie sind landlose Landarbeiter, die sich auf den Kaffeeplantagen für einen Hungerlohn verdingen. Ihre Armut ist groß.

Am meisten leidet jedoch die ursprüngliche indianische Bevölkerung unter den bis heute katastrophalen Folgen einer kulturell einseitigen und aggressiven Erschließungspolitik. Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts erkannte die Verfassung Perus Amazonasindianer wie die Yanesha und Ashaninka noch nicht einmal als peruanische Staatsbürger an. Sie waren rechtlos und jeder konnte mit ihrem Land und mit ihnen selbst tun, was er wollte. Deshalb haben die Yanesha und Ashaninka bis auf ein paar kleine Reservate, die sogenannten „Gemeinschaften,“ ihr angestammtes Siedlungsgebiet an die Neuankömmlinge aus Europa und den Anden verloren. Zusammen mit dem Land verloren viele auch ihre Identität, ihre Kultur und ihre Sprache. In den Gemeinschaften herrschen extreme Armut und Perspektivlosigkeit und die Menschen versuchen irgendwie, sich gegen die Fremdbestimmung aller Lebensbereiche zu behaupten. Der Druck auf diese indigenen Gemeinschaften ist riesig, weil einige Siedler bis heute versuchen, sich durch illegale Landaneignung zu bereichern. Zahllose Yanesha starben an eingeschleppten Krankheiten und auch heute noch mangelt es an Bildung, Gesundheitsversorgung und Chancen. Die von vielen diskriminierte Urbevölkerung ist die ärmste Bevölkerungsgruppe der Region und lebt verteilt auf Dutzende Gemeinschaften.   

Im Norden des Landkreises liegen der für seinen sprichwörtlichen Artenreichtum bekannte Yanachaga-Chemillén Nationalpark sowie das riesige Waldschutzgebiet San Matías San Carlos, in dem zurückgezogen noch halbnomadische Indianerfamilien leben, das jedoch einem enormen Druck durch illegale Aktivitäten wie Holzeinschlag, Landhandel, Straßenbau und Besiedlung ausgesetzt ist. Armut, Korruption, Unwissenheit und Erdgasförderung verursachen große Gefahren für die Umwelt  und manche Prognosen gehen davon aus, dass die Gegend in 10-20 Jahren vollkommen entwaldet sein könnte.

Chance e.V. betreibt hier eine christlich-ganzeitliche, offene Kinder- und Jugendarbeit und fördert die nachhaltige und schonende Entwicklung mehrerer Indianergemeinschaften. Diese Arbeit basiert auf einem so genannten Konzept für gelingendes Leben und  umfasst die Themenbereiche rechtliche Stärkung, Landwirtschaft, Bildung, Umwelt, Kultur, Werte und Spiritualität. Außerdem fördern wir Bildungsarbeit, Naturschutz, übergemeindliche Zusammenarbeit sowie zivilgesellschaftliche Kooperation.

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